Naila – vom Angsthasen zur selbstbewussten Hündin
Als wir uns im vergangenen Jahr entschlossen, einen zweiten Hund zu uns nehmen, begann ich die Seiten der verschiedenen Tierschutzseiten im Internet anzuschauen. Viele Hunde suchten ein neues Zuhause, aber irgendwie war keiner dabei, der mich „ansprang“.
Dann telefonierte ich mit dem ‚Tierschutz Siebengebirge’. Ich erfuhr, dass am Wochenende Hunde aus Spanien kommen würden und dabei sei eine Hündin, die vielleicht passen könnte. Sie sei als lebhaft, freundlich und neugierig von der spanischen Tierheimleitung beschrieben.

Als ich Nailas Foto auf der Homepage sah, war klar: Das ist sie! Sie sah lustig und hübsch zugleich aus, wurde als neugierig und lebhaft beschrieben, ein Jahr alt. Ich nahm sofort Kontakt mit der Pflegestelle auf – und wurde enttäuscht: Naila sei total verschüchtert und ängstlich, kein Vergleich mit der ursprünglichen Beschreibung. An eine Vermittlung sei momentan überhaupt nicht zu denken. Wir vereinbarten, nach ein paar Tagen noch einmal miteinander zu telefonieren, um abzuwarten, wie sich die Hündin entwickelt.
Als ich erneut die Naila-Telefonnummer wählte, stellte ich fest, dass die Hündin in eine andere Pflegestelle versetzt worden war. Heike Reichelt, die Naila nun in ihrer Obhut hatte, erklärte mir, dass die Hündin sich als Einzelhund in der ersten Pflegestelle nicht wohl gefühlt hatte. Sie brauchte dringend andere Hunde, um etwas aufzutauen und Verhaltensweisen ‚abzuschauen’. Dies sei in ihrer Pfelgestelle durch die anderen Hunde möglich. Ich erzählte Heike Reichelt, dass wir Naila alle Zeit der Welt geben würden und dass sie bei uns Zweithund wäre, schließlich haben wir bereits einen Border Collie-Mischling. Nailas Pflegefrauchen lud mich ein, die Hündin bei ihr zu Hause kennen zu lernen, warnte mich aber vor, ich solle nicht zu enttäuscht sein, wenn die Hündin vor mir weglaufe.
Als ich an der Türe klingelte, kamen zwei Hunde direkt zu mir gerannt, Naila hingegen lief weg. Die Hunde in der Pflegestelle wollten natürlich ausgiebig begrüßt werden und wir ließen uns einfach auf dem Fußboden nieder. Naila war neugierig, kam immer wieder näher, lief aber weg, sobald ich mich bewegte. Irgendwann gingen wir ins Esszimmer, setzten uns an den Tisch und unterhielten uns; die Hunde beachteten wir kaum. Naila kam immer wieder in unsere Nähe. Und dann konnte ich sie tatsächlich vorsichtig streicheln! Heike Reichelt war sehr überrascht. Das hatte sie nicht erwartet! Für mich war damit klar: Naila hatte uns ausgesucht und wir würden auf sie warten, bis sie stabil genug war, um in eine neue Familie zu ziehen.
Einige Zeit später war es dann soweit. Heike Reichelt brachte uns Naila. Wir waren sehr gespannt, wie sich Aiko und Naila verstehen würden. Als Naila unseren Garten betrat, war Aiko, im Gegensatz zu meinem Mann und mir, völlig ruhig. Als schließlich die Leine ab war, liefen beide Hunde aufeinander zu, beschnupperten sich und tobten ein wenig durch den Garten.

Die ersten Tage waren schwierig. Naila traute sich kaum nach draußen, machte ins Haus, wollte sich nicht anleinen lassen – aber sie fraß und trank. Ein paar Mal habe ich sie nach draußen getragen. Im Garten war sie weniger ängstlich, aber jedes Geräusch, sei es noch so leise, erschreckte sie.
Auf den Spaziergängen war sie zwar neugierig, aber trotzdem ängstlich und so kam es nach ein paar Tagen, wie es kommen musste: Sie riss sich los und lief weg! Wir haben einige Stunden gebangt, dann kam der erlösende Anruf: Jemand hatte sie in Aegidienberg an der Kirche gefunden und konnte sie festhalten. Gott sei Dank hatte sie am Halsband ein Namensschild mit Adresse.
Nach diesem Ausflug wurde es, komischerweise, immer besser. Täglich lernte Naila, uns mehr zu vertrauen. Im Haus versteckte sie sich nicht mehr unter dem Schreibtisch, sondern sie suchte immer häufiger unsere Nähe und wollte bei uns sein. Schon einige Tage später hat sie sich dann „ihren“ Platz auf dem Sofa erobert.
Nach einigen Wochen dann stellten wir fest, dass ihr Schwanz nicht etwa eine dünne kleine Rute war, wie er von Beginn an gewesen war – nein, sie hatte nun eine stolze Fahne, die sie selbstbewusst immer seltener unter den Bauch klemmte.
Mit Aiko versteht sie sich prima, die beiden toben durch den Garten und kuscheln gemeinsam im Haus. Die Hundeschule hat Naila auch schon besucht, ein weiterer Kurs wird folgen.
Wir haben noch keine Minute bereut, Naila zu uns geholt zu haben. Allen Kritikern zum Trotz, die uns für verrückt erklärt hatten, als wir einen zweiten Hund haben wollten und dann auch noch so einen ängstlichen, ist Naila zu einer tollen Hündin und einem heißgeliebten Familienrudelmitglied geworden.
Vielen Dank noch einmal, ganz besonders an Heike Reichelt, dass sie mir/uns Naila anvertraut hat.
Sabine Wallau, Bad Honnef im Juni 2009
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Einfach entsorgt
Astor schaut unter seinen buschigen Augenbrauen hervor und sein Blick trifft die Fernseh-Zuschauer ins Herz.
Dann rollt sich der große Deutsch Drahthaar-Rüde genüßlich auf den Rücken und läßt sich von TV-Moderatorin Claudia Ludwig ausgiebig den Bauch kraulen. Das tut gut. Als er wieder aufsteht, sieht man den kahlen Rücken. Kaum noch ein Haar, nackte Haut.
Wir sind mit Astor im Aufnahmestudio des WDR. Unser 12jähriger Hundesenior wird von Fernsehmoderatorin Claudia Ludwig als Notfall in der Sendung ‚Tiere suchen ein Zuhause’ vorgestellt. Als wir mit Astor das Studiogelände betraten, schauten alle anderen Tierschützer, die ebenfalls ihre Hunde vorstellen, erschrocken auf unseren Hund. „Was ist denn mit dem passiert?“ fragten sie. Ja, selbst Tierschützer, die schon viel Elend gesehen haben, sind schockiert über Astors Anblick.
In seiner Jugend war Astor sicherlich einmal ein Prachtbursche, reinrassig, stattliche Figur, kräftige Muskeln und eine Ausbildung zum Jagdhund. In jungen Jahren durfte er mit zur Jagd – doch dann verlor sein Besitzer das Interesse und Astor landete im Zwinger auf einem Gewerbegrundstück. Dort verbrachte er, zusammen mit einer Schäferhündin, über viele Jahre seine Zeit. Als der Betrieb geschlossen und das Grundstück, auf dem der Zwinger stand, verkauft wurde, war guter Rat teuer. Wohin mit den Hunden? Die Schäferhündin hatte Glück. Ein Nachbar übernahm sie. Und Astor? Für ihn blieb der Weg zum Tierarzt – er sollte eingeschläfert werden. Oder besser gesagt: entsorgt werden.
Doch soweit kam es nicht. Der Tierarzt spielte nicht mit. Er weigerte sich, den gesunden Hundsenior einzuschläfern. Die anwesende Tierarzthelferin konnte das Elend nicht länger mit ansehen. Nachdem Astor tierärztlich untersucht, medizinisch versorgt und vor allem gründlich entfloht war, nahm sie ihn vorläufig mit nach Hause und rettete ihm so das Leben. Astor durfte in einem Haus schlafen, sein Fell juckte nicht mehr, die lästigen Parasiten waren endlich weg. Seine Haut konnte sich von dem jahrelangen Flohbefall, der auch die Abwehrreaktion der Haut ausgelöst hatte, erholen. Der für sein Alter agile Hund bekam nun Aufmerksamkeit, Spaziergänge, Streicheleinheiten – und durfte endlich wieder seine heiß geliebten Stöckchen apportieren.
Da die Tierarzthelferin den Hund nur aufgrund der Notlage aufgenommen hatte und ihn dauerhaft nicht behalten konnte, wandte sie sich an unseren Verein, um für Astor das richtige Zuhause zu finden. Und das fand er – dank der Sendung „Tiere suchen eine Zuhause.“ Mehr als 30 Leute riefen aus ganz Deutschland an. Alle wollten Astor.
Heute lebt Astor in Kiel – mit seiner Hundefreundin Janka, einer achtjährigen Deutsch Kurzhaar-Hündin und seiner neuen Familie. Er genießt seinen Lebensabend in vollen Zügen: ein kuscheliges Körbchen im Wohnzimmer, regelmäßiges Planschen in der Ostsee, lange Spaziergänge und viele Stöckchen zum Apportieren erfreuen sein altes Hundeherz. Wir wünschen ihm noch viele schöne Jahre.
Antje Firmenich
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Ungewöhnlicher Beifahrer
Später Abend. Das Telefon klingelte. Eine aufgeregte Frau am anderen Ende der Leitung. Ihre Geschichte klang nicht gerade glaubwürdig.
„Ein Bekannter von mir fuhr heute über die Autobahn und hörte merkwürdige Geräusche in seinem Wagen. Nach 75 km verließ er aus diesem Grund die Autobahn, fuhr eine Tankstelle an und bat den Tankstellen-pächter, einmal nachzusehen. Nachdem dieser die Motorhaube geöffnet hatte, staunten sie nicht schlecht“, erzählt die Anruferin. „ Im Motorraum in der Nähe des Kühlers lag ein ca. neun Wochen alter Kater. Beim Bergen des Tieres hat sich der Mann ganz schön an der Hand verbrannt.“
Ein Wunder
Kurze Zeit später stand die Anruferin mit dem Kater vor unserer Tür. Hätte der kleine Kerl nicht wie ein verbrannter Autoreifen gestunken, wären uns spätestens beim Anblick des Tieres Zweifel an der Geschichte gekommen. Er hatte wahrhaftig keinerlei Verbrennungen. Dies grenzt an ein Wunder, wenn man bedenkt, welch eine enorme Hitze sich bei fahrenden Autos im Motorraum entwickelt.
Blind für immer?
Mit den Augen des Tieres stimmte etwas nicht. Das eine Auge war stark getrübt und das andere wirkte verschrumpelt. Es sah aus, als ob ein Teil der Augenflüssigkeit ausgelaufen war. Nach Absprache mit unserer Tierärztin spülten wir nun alle zwei Stunden die Augen und versorgten sie mit Salbe. Am nächsten Morgen zeigte sich, das es dem kleinen Racker erstaunlich gut ging. Er fiel über das Futter her und fraß wie ein kleiner Scheunendrescher.
Wir machten uns auf den Weg zur Tierärztin. Leider bestätigte sie unseren Verdacht, dass in einem Auge die Flüssigkeit fehlte. Die Vorkammer dieses Auges war geplatzt und das Auge ausgelaufen. Das andere Auge war getrübt.
Glückspilz
Der kleine Kerl hatte unwahrscheinliches Glück im Unglück gehabt. Könnte es einen besseren Namen als „Lucky“ für ihn geben?! Lucky entwickelte sich prächtig und wir wagten langsam zu hoffen, dass er auf dem getrübten Auge noch etwas sehen konnte. Ab und an stieß er zwar beim wilden Spielen und Toben mit unseren Katzen irgendwo gegen. Dies passierte ihm jedoch auch nur einmal an dieser Stelle.
Gute Nachricht
Als wir eine Woche später Lucky wieder bei unserer Tierärztin vorstellten, bekamen wir eine gute Nachricht: Die Trübung sei gut zurück gegangen und er könne auf diesem Auge sehen. Das ausgelaufene Auge habe sich den Umständen entsprechend stabilisiert und müsse nicht entfernt werden.
Kleiner Wirbelwind
Lucky entwickelte sich zu einem richtigen Wirbelwind, den seine Behinderung überhaupt nicht stört. Er lief durch das ganze Hause, spielte mit unserer Dalmatinerhündin und den Katzen und stellte – wie jedes andere Katzenbaby auch – eine Menge Unsinn an. Ein paar Monate später konnte er vermittelt werden. Lucky hat nun ein wunderbares Sofa zum Kuscheln gefunden und fühlt sich pudelwohl. Nur Auto fahren, da ist sich der kleine Kater ganz sicher, will er in Zukunft nicht mehr….
Jessica Stoll
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Keine Angst vor der Angst
August 2006. Spät in der Nacht. Vor unserem Haus hält das Einsatzfahrzeug des Tierschutzvereins. Die Heckklappe wird geöffnet , ganz hinten steht eine Transportbox, aus der mich zwei Augenpaare panisch anblicken. Es sind zwei rumänische Straßenhunde, die zur mir in die Pflegestelle kommen, sich im Moment aber am liebsten unsichtbar machen würden. Mühsam holen wir die sich sträubenden Hunde aus der Box heraus. Nr. 44 und Nr. 45 steht auf einem weißen Stoffbändchen an ihrem Hals. Später werden wir sie Max und Moritz nennen. Foto unten
: Max mit Pflegefrauchen Heike Reichelt
Ich trage die beiden Bündel Angst in unser Haus, nicht ahnend, dass ein ganzes Jahr vergehen wird, bis die beiden in der Lage sein werden, menschliche Nähe zu suchen, anstatt ihr auszuweichen. In den nächsten Tagen wird deutlich, wie schlecht es Max und Moritz in Rumänien ergangen sein muss. Sobald sich ihnen eine menschliche Hand nähert, flüchten sie erschrocken. Wir lassen die Hunde vollkommen in Ruhe. Sie bekommen ihr Futter und werden so wenig wie möglich beachtet. Immer wieder huschen sie schnell in den Garten, wo sie dann eines Tages beginnen miteinander zu spielen. Ein erster Schritt ist getan. Danach vergehen noch viele Wochen, bis wir sie endlich streicheln können.
Monate später: die beiden Hunde haben inzwischen soviel Vertrauen, dass ich sie vorsichtig anleinen kann. Mit vielen Leckerchen und täglichem Training im vertrauten Garten gewöhnen sie sich an die Leine. Dann kommt der große Tag, an dem wir uns vor das Gartentor wagen. Nur wenige Meter schaffen wir nach draußen, doch ich bin überglücklich. Die Neugierde von Max und Moritz wird nun täglich größer und damit auch die Strecken, die wir draussen zurücklegen. Foto unten: Moritz
Im Mai 2007 findet Max als erster ein Zuhause. Sein zukünftiges Herrchen hat Geduld mit ihm und kommt mehrere Wochen täglich, um mit Max Freundschaft zu schließen. Der endgültige Schritt in sein neues Zuhause ist für Max deshalb nicht mehr schwer. Max wird ein anhänglicher und gehorsamer Hund, der sein Herrchen beim Joggen ohne Leine begleitet.
Wird auch Moritz so viel Glück haben?
September 2007. Unser Tierschutzverein hat die Möglichkeit, ein paar Tiere bei der Sendung ‚Tiere suchen ein Zuhause’ im WDR vorzustellen. Moritz ist einer von ihnen. Einige Wochen habe ich noch Zeit und nutze sie, um Moritz darauf vorzubereiten, so dass er diesen aufregenden Tag in der fremden Umgebung gut meistert. Belebte Straßen sind nun unser Ziel, wir stellen uns vor Schule und Kindergarten, vor Geschäfte und gehen sogar in eine volle Eisdiele. Von jetzt an Pflichtprogramm mehrmals pro Woche: ein Cappuccino mit Moritz.
Den Tag beim WDR mit vielen fremden Menschen, Kameras, bellenden Hunden, miauenden Katzen und Hektik meistert Moritz mit absoluter Ruhe. Wer hätte das gedacht? Seine bernsteinfarbenen Augen blicken in Großaufnahme in die Kamera…
Foto links: Moritz ganz cool in Erwartung seines Fernsehauftritts.
Und dann? Lassen wir Moritz erzählen, wie es weiterging:
„Plötzlich klingelte ständig bei uns im Haus das Telefon. Meine Pflegefrauchen saß nur noch am Telefon und erzählte von mir. Dann kam DER Anruf. Heike und die Anruferin haben sich gleich gut verstanden. Es wurde ein Termin ausgemacht, an dem die Anruferin vorbeikommen sollte.
Sie war eine ganz normale Zweibeiner-Frau, aber sie hat etwas Seltsames getan. Sie hat mich gar nicht beachtet. Jedenfalls dachte ich das. Da wurde ich ein bisschen neugierig. Sie hatte auch noch ein fesches Hundemädchen dabei. Aber auch die wollte nichts von mir wissen.
Nach einem ausgiebigen Spaziergang saßen alle noch bei meinem Pflegefrauchen vor dem Haus auf dem Gehweg. Die Fremde nahm dann einfach meine Leine und ging mit mir und der feschen Hündin die Straße rauf und runter. Mann, war die Hündin aufregend. Ich fand die Fremde mittlerweile auch ganz in Ordnung und legte mich, als wir wieder im Haus waren, bei ihr halb auf den Schoß.
Heute lebe ich bei ihr und ihrer Familie. Ich fühle mich hundewohl. Ich spiele und tobe mit den Kindern und werde natürlich auch ein bisschen erzogen. Ich wünsche allen ängstlichen Artgenossen, dass sie Auch jemanden finden, der keine Angst vor der Angst hat.
Heike Reichelt und Constanze Jay-Hourticolon
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Glückliche Hunde und ihre Menschen
Im Laufe der Jahre sind viele Tierschutz-Hunde durch unser Haus gegangen. Einige haben Familien in Hamburg, Hannover oder Kiel gefunden, so dass ich diese Hunde nicht mehr regelmäßig sehe. Um so mehr freut es mich, wenn ich einen meiner ehemaligen Schützlinge auf einem Spaziergang treffe.
Luna – die Schuhliebhaberin 
Ein weißer Collie-Mix kommt im Park schwanzwedelnd auf uns. Luna ist seit zwei Jahren bei ihrer neuen Familie, aber sie freut sich immer noch lautstark, wenn sie uns trifft. Luna saß in einer Tötungsanstalt auf Gran Canaria und war einfach nur glücklich, dass sie den Zwinger, den bestialischen Gestank und den Stress durch die anderen eingesperrten Hunde entfliehen konnte und in einer Familie Geborgenheit fand. Am Anfang wollte sie deshalb ungern allein bleiben. Inzwischen, so erzählt Lunas Halterin Anja Hildesheim lächelnd, hat sie ihre eigene Methode gefunden, um mit der vorübergehenden Einsamkeit fertig zu werden: „Luna holt all unsere Schuhe zusammen, türmt sie auf einen Berg auf und legt sich oben drauf. Das riecht so gut nach all ihren Menschen. Wenn wir nach Hause kommen, ist mal erst Aufräumen angesagt.“
Wirbelwind Emma
Da kommt Emma! Hilfesuchend schaue ich mich nach einem geeigneten Baum um, an den ich mich anlehnen kann, damit ich die stürmische Begrüßung heil überstehe. Aber unser Hund federt die allzu umwerfende Euphorie schon ab, indem er Emma mal erst ‚einnordet’. Das läßt sie sich von ihrem ‚Hunde-Chef’ gerne gefallen. Sofort fügt sie sich in das alte System ein, leckt dem Rüden die Schnauze und kommt dann deutlich gemäßigt auf mich zu. 
Riesenschnauzer-Mix Emma kam als Welpe zu uns. Sie war auf Kreta ausgesetzt worden und durfte dank eines Flugpaten ausfliegen. Emmas Halterin, Anja Kohrs, zeigt mir stolz, welche Fortschritte die wilde Hummel in ihrer Erziehung gemacht hat. Tägliche Gehorsamkeits-übungen haben bei dem Wildfang schon deutliche Spuren hinterlassen. „Und für den absoluten Notfall habe ich ja noch das Yipiieeee!“, schmunzelt Anja Kohrs. Das Yipiieeee? Wenn Emmas Temperament mal mit ihr durchgeht und sie im wilden Galopp davon saust, reicht der Notfallruf (Yipiieee). Emma dreht sich auf dem Absatz um und kommt zurück. Denn: Jetzt gibt es Yipiieee, das gaaaaanz besondere Leckerchen, sozusagen der ultimative Festschmaus. Anja Kohrs zieht eine Minidose Whiskas mit Lachs aus der Jacke und Emma läuft der Speichel aus den Mundwinkeln. Yipiieeee ist immer dabei – sicher ist sicher…
Antje Firmenich (Pflegestelle)
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Ein Pferd namens Hiwa
Der zweijährige Württemberger Wallach Hiwa hat einen vielversprechenden Namen. Den hat ihm seine Retterin, Annette Vossel, gegeben. ‚Hiwa’ bedeutet auf Kurdisch Hoffnung – Hoffnung auf ein besseres Leben…
Der braune Wallach wollte über seine Boxentür springen. Vermutlich war er ungeduldig, weil seine Pferdefreunde vor ihm hinaus auf die Koppel kamen. Er mußte einfach hinter ihnen her. Ein Sprung, er blieb hängen, zappelte, strampelte, schrie verzweifelt und fiel irgendwann in die Box zurück. Dort blieb er stark verletzt liegen. Ein Tag, zwei Tage… die Tage wurden zu Wochen. Lapidar meinte der schließlich hinzugezogene Tierarzt: „Irgendwann wird der schon wieder aufstehen“. Und so ließ man ihn liegen. Ganze drei Wochen!
Als der Braune sich endlich wieder aufgerichtet hatte, bot er ein Bild des Jammers. Abgemagert bis auf die Knochen stand er dort. Er hätte dringend aufgepäppelt werden müssen. Doch für den Braunen gab es weiter ausschließlich Silage. Was für die Kühe gut genug ist, muss auch dem Pferd reichen, so die Ansicht des Bauern.
Eine junge Frau, die häufig auf dem Bauernhof war, konnte das Elend des Pferdes nicht mehr mit ansehen. Sie telefonierte mit Annette Vossel, die in unserem Verein zuständig für Pferde ist, und bat diese um Hilfe. Sie nahm ihr allerdings vorher das Versprechen ab, dass der Tierschutz keine Anzeige gegen den Bauern erstattet.
Annette Vossel: „Ich habe das Pferd übernommen und in die Tierklinik gefahren. Als ich es vom Hänger holte, bot sich mir ein Bild des Grauens – der Wallach war vollkommen verängstigt und ausgemergelt. Man konnte die Rippen zählen.“
Diagnose: Beckenbruch! Pferde mit Beckenbruch werden üblicherweise sofort eingeschläfert, weil ein solcher Bruch bei einem Pferd mit massivsten Schmerzen verbunden ist. Da sich das Tier aber aus eigener Kraft selbst aufgerichtet hatte und die schlimmsten Schmerzen nun überstanden waren, habe der braune Wallach nun gute Chancen auf Heilung, so der Tierarzt.
Vossel brachte das Pferd zu einer Pferdeliebhaberin in den Westerwald. Hier bekam Hiwa alles, was er sein ganzes Leben lang vermißt hatte: gutes Futter, Pflege, Erziehung, Weidegang und viel Kontakt zu Artgenossen. Hiwa blühte sichtlich auf.
Heute, acht Monate später
Annette Vossel kommt zum Pferdehof und hält nach ihren Schützlingen Ausschau. Hiwa ist mit den anderen Pferden auf der Koppel. Es treibt ihr die Tränen in die Augen, wenn sie dieses wunderschöne Pferd beobachtet. Hiwa hat sie bemerkt und setzt zum Galopp an. Er galoppiert am Zaun vorbei und schaut dabei zu ihr herüber. Unsere Pferdefrau lacht. Fast könnte man meinen, er wolle ihr sagen: ‚Schau mal, so gut kann ich das schon.“ Der Tierarzt spricht von einem kleinen Wunder.
Eine junge Frau tritt neben Annette Vossel. Jenny hat sich in Hiwa verliebt. Es ist ihr egal, ob Hiwa jemals wirklich gut reitbar sein wird oder nicht. „Ich möchte diesem Pferd ein schönes Leben schenken“, erzählt die junge Frau, die bereits ein Gnadenbrotpferd besitzt und sich ganz und gar darüber im Klaren ist, welche Kosten auf sie zukommen. Sie streichelt Hiwas Kopf und der hübsche Braune knabbert liebevoll an ihrer Jacke. Glück gehabt, Hiwa!
Susanne Lucht
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Zu alt für einen Hund?
Käthe Zahn kommt vom Tierarzt. Sie mußte ihre geliebte Hündin einschläfern lassen. Zurück zu Hause betritt Käthe Zahn bedrückt und unendlich traurig ihre Wohnung. Sie kommt ihr unbeschreiblich leer und kalt vor. „Das wird sich nach ein paar Tagen schon legen“, denkt sie und hofft insgeheim an die Wahrheit des Spruchs „Die Zeit heilt alle Wunden“. Doch nichts ist mehr, wie es seit Jahren war. Frau Zahn vermisst ihre Hündin schmerzlich. Die gemeinsamen Spaziergänge, die Schmusestunden auf dem Sofa, die Blicke, die sich trafen.
Lange konnte Käthe Zahn diese Stille und Kälte um sich herum nicht ertragen und rief bei uns, ihrem Tierschutzverein an, wo sie seit etlichen Jahren Mitglied ist:
„Meine Shila ist gestorben und ich hätte doch so gerne wieder einen Hund. Einen älteren, ruhigen, der zu mir passt“, sprudelte es aus ihr hervor, als wir das erste Mal miteinander telefonierten.
Käthe Zahn ist mit ihren 82 Jahren eine körperlich und geistig agile Dame. Deshalb stand für uns schnell fest, dass wir ihr auf der Suche nach einem „neuen“ Hund behilflich sein wollten.
Die Suche begann
Wir fragten unsere Tierschutzpartner auf Kreta, Mallorca und Gran Canaria, ob es dort vielleicht einen älteren Hund gibt, der sein Zuhause verloren hat und auf der Suche nach einem neuen Körbchen ist. Binnen weniger Tage kam von Gran Canaria eine Rückmeldung, dass Mischlingshündin Sandy, 8 Jahre jung, Anschluss an einen älteren Menschen sucht. Mit Käthe Zahn wurden alle wichtigen Details besprochen und sie freute sich auf den nächsten freien Flug, mit dem Sandy ins Siebengebirge ausfliegen durfte. Schon zu diesem Zeitpunkt richtete Käthe Zahn alles für ihr Mädchen her. Ein kuscheliges Hundekörbchen, Schlafdecke fürs Sofa, kleine Näpfe, Leckerchen. All dies wurde von ihr mit viel Freude schon organisiert und ihre Lebensfreude kannte keine Grenzen, als sie ein paar Wochen später ein kleines, zierliches Hundemädchen in die Arme schließen konnte.
Sandy Zuckerschnute
Käthe Zahn und die bescheidene Sandy haben sich gesucht und gefunden. Die beiden sind ein fantastisches Team, ergänzen sich prima und ganz wichtig, brauchen einander. Für beide ist dies ein großes Glück.
Anmerkung des Vorstands
Leider werden Senioren in vielen Tierheimen und Tierschutzvereinen auf Grund ihres Alters abgewiesen. Aber viele 75-jährige sind körperlich und geistig agil, gehen gerne spazieren, unter Leute und sind durchaus in der Lage, einen Hund gut zu versorgen. Wenn nicht im Rentenalter, wann dann?
Käthe Zahn haben wir versprochen, dass wir ihre Hündin wieder in unserem Verein aufnehmen, sollte ihr etwas zustoßen und sie die Hündin nicht mehr versorgen können.
Andrea Czapek-Olbrück
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Nummer 40125
Irgendwo im Hinterland von Gran Canaria. Ohrenbetäubender Lärm. Es riecht nach Kot, Urin, Stress und Angst. Ich gehe den langen Gang entlang. Gitterstäbe überall. Hundenasen zwängen sich neugrierig durch die engen Zwischenräume. Wer ist da gekommen?
Ein Tier ist schöner als das andere. Ein Zwergpudel wedelt wie verrückt mit seinem Stummel-Schwänzchen, ein weißer Wuschel-Mix springt immer wieder gegen das Gitter, um auf sich aufmerksam zu machen. Ein Cocker Spaniel drängt sich an den anderen Hunden vorbei, um auch einen Blick auf den Besucher zu erhaschen. In der Ecke liegt eine ältere Schäferhündin. Sie scheint sich bereits in ihr Schicksal ergeben zu haben und bleibt einfach liegen. Mich nimmt ja doch keiner mit, scheint sie zu denken.
Ich bin in einer Hunde-Tötungsanstalt auf Gran Canaria. Jedes Jahr fahre ich mit meiner Familie auf diese Insel und mache hier Urlaub. Doch das Schicksal der vielen ungewollten Hunde, die nach ein paar Wochen Aufenthalt im öffentlichen Tierheim eingeschläfert werden, läßt mir keine Ruhe. Ich bin also wieder hier, am Ort der verlassenen Hunde. Einen Hund werde ich hier rausholen.
Als ich den Gang entlang gehe, schaue ich plötzlich in die traurigen Augen einer Dackel-Beagle-Hündin. Sie steht ganz ruhig hinter dem Gitter und schaut mich nur an. Als ich weiter gehen will, legt sie den Kopf in den Nacken und heult wie ein Wolf. Die Hündin hat keinen Namen – nur eine Nummer steht auf dem Plastikbändchen an ihrem Hals. 40125 – hier sind Hunde einfach nur Zahlen – ohne Gesicht, ohne Geschichte.
Rückflug. Wir sitzen im Flieger nach Köln. Im Bauch des Flugzeuges schlummert 40125 in ihrer Transportbox. Immer wieder muss ich an das Tier denken. Ob ich für die Hündin eine gute Familie in Deutschland finde? Als Pflegestelle des Tierschutz Siebengebirges habe ich schon vielen Hunden den Weg in ein neues Leben geebnet. Trotzdem frage ich mich bei jedem Hund immer wieder: „Werde ich es auch bei diesem Hund schaffen, die richtige Familie zu finden?“ Um mich abzulenken, blättere ich in einem Magazin und lese einen Artikel über die Designerin Jette Joop. Das war’s: ‚Jette’ – so sollte die grazile Hündin mit den schönen Augen heißen.
Jette in Deutschland
Viele Anrufer meldeten sich auf unser Inserat für Jette. Gerne wollten alle einen lieben, anhänglichen Hund vom Tierschutz. Doch ein Hund, der nicht allein bleiben mag? Nein, da waren die Gespräche schnell beendet.
Die ‚Richtigen’ finden
Jette hatte starke Verlustängste. Kein Wunder, nachdem, was sie alles erlebt hatte. Doch aus meiner langjährigen Erfahrung als Pflegestelle für den Tierschutz wußte ich: „Die Richtigen für Jette werden noch kommen. Nur Geduld.“ Werner und Gisela Vendel war diese Familie. Sie nahmen Jette überall hin mit. Ob zum Steuerberater oder zur Party. Jette war dabei – ansonsten gingen die Vendels eben auch nicht. Durch diesen rührenden Einsatz ihrer neuen Menschen faßte Jette nach Monaten Vertrauen und blieb auch irgendwann allein zu Hause. Sie wußte, sie würde hier nicht mehr verlassen werden. Und Vendels hatten den treusten Hund gefunden, den sie sich wünschen konnten.
Antje Firmenich
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Lisa – vom Streuner zum Business-Hund
Unsere Lisa ist ein ehemaliger Straßenhund aus Andalusien. Sie wurde vom Tier-, Natur und Artenschutz Siebengebirge e.V. gerettet und verbrachte einige Monate bei einer Pflegefamilie des Tierschutzvereins. Dort wurde dieser stark verunsicherte, völlig abgemagerte und verwahrloste Hund psychisch und physisch wieder aufgebaut und auf das Leben als Familienhund vorbereitet. Lisa war immer noch sehr ängstlich, als wir sie kennen lernten.
Die Pflegefamilie nahm uns genau ‚unter die Lupe’, wollte sie doch ganz sicher gehen, dass Lisa es bei uns gut hatte. Es war ihr auch wichtig, dass die Chemie zwischen Lisa und ihrer neuen Familie stimmte. In einem netten Gespräch wurden auch Lebensbedingungen, Urlaubssituation, Arbeitsalltag etc. diskutiert. Wir fanden es sehr positiv, dass die Pflegestelle so gewissenhaft prüfte, ob alles passte. 
Als Lisa in unser Haus kam, musste sie noch viel lernen. Geräuschvolle Haushaltsgeräte machten ihr große Angst. Autofahren fand sie ebenfalls schrecklich. All die Dinge eines zivilisierten Lebens waren ihr eben fremd.
Da ich volle Tage berufstätig bin, kommt Lisa täglich mit ins Büro. Was für eine Umstellung für eine ehemalige Streunerin! Anfangs lag sie unter meinem Schreibtisch und knurrte meine Kollegen unsicher an. Heutzutage stürmt sie morgens mit vollem Elan auf ihren Platz, manchmal jault sie dabei sogar vor Freude – und sie ist der Liebling aller Kollegen.
Anfänglich scheute Lisa vor den Hunden unserer Nachbarschaft zurück. Bei den morgendlichen Hundetreffen drückte sie sich immer am Rand der Spielwiese herum. Ihr standen die Haare zu Berge. Die ganze Körperhaltung sagte: „Lasst mich bloß in Ruhe“. Doch mit der Zeit änderte sich auch dieses Verhalten. Lisa nahm vorsichtig Kontakt mit den anderen Hunden auf und heutzutage hat sie sich auf der „Rudel-Leiter“ bis auf Platz 2 hochgearbeitet. Sie stürzt sich morgens wild ins Spiel und in Verfolgungsjagden.
Aufgrund ihrer Vergangenheit als Streunerin bringt Lisa sehr viel Geschick und Schlauheit mit sich. Das war für uns als „Hunde-Anfänger“ oft eine große Hilfe. Manche potentiellen Gefahren erkannte sie schneller als wir. Wie oft habe ich gedacht: „Gut, dass der Hund selbst so klug ist“.
Aufgrund meiner positiven Erfahrung mit Lisa würde ich immer wieder einen erwachsenen Hund aufnehmen. Obwohl wir bei Lisa die so viel gepriesene „Prägephase“ nicht miterlebt haben, erwies sie sich als sehr anpassungsfähig. Sie hat sich in unsere Familie mit viel Charme und Geschick eingefügt. Wir hätten uns keinen besseren Hund wünschen können und wären froh, wenn auch andere erwachsene Hunde eine zweite Chance bekämen.
Sabine Maar, Remscheid
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Liebe Frau Lucht,
ich möchte Ihnen hier ein Bild von unseren beiden Hunden schicken. Sie werden sich vielleicht erinnern, wir hatten vor drei Jahren über Ihren Verein unsere Mischlingshündin Malika bekommen.
Malika kam aus Mallorca und Ihr Verein hatte sie von einer dortigen Tierschutzorganisation übernommen. Mein Mann und ich suchten einen Hund und lernten Malika, die bei einer Pflegestelle ihres Vereins gerade aufgepäppelt wurde, kennen. Schon bei der ersten Begegnung waren wir uns sicher, dass sie ‚unser Hund’ war.
Mit ca. 8 Monaten kam sie nach Deutschland. Auf Mallorca erhielt sie den Namen Malika. Uns gefiel der Name gut, er passt zu ihr. Mager, ängstlich, mit fliehendem Blick, das war unser erster Eindruck von ihr. Schnell hatten wir uns auf eine längere, geduldige Arbeit mit diesem ängstlichen Hund eingestellt. Malikas Verhalten, Flucht vor Männern und Jugendlichen und das kreisende Ausweichen vor Menschen überhaupt, sprach für Erfahrungen, denen tiefes Misstrauen gegenüber Menschen zu Grunde lag. Es war für uns anfänglich auch schwierig, dass sie vor zahlreichen Geräuschen Angst hatte. Es brauchte Zeit, bis sie die meisten Lärmquellen richtig einordnen konnte.
Malika brauchte Schutz, Sicherheit und sehr viel Liebe. Aber mit Geduld und vertrauensbildenden Maßnahmen haben wir schöne Erfolge erzielt. Wir konnten täglich ihre Lernfortschritte sehen und waren begeistert, mit welcher Freude sie ihre Aufgaben gut erledigen wollte. Mit ihr erleben wir ein besonderes Verhältnis von Vertrauen, unerschütterlicher Freundschaft und Liebe. Sie ist nun ein fröhlicher Hund geworden und wir möchten sie auf keinen Fall mehr missen.
Auf diesem Bild ist sie mit ihrem Freund Willi abgebildet.
Auch Willi haben wir über Ihren Verein bekommen. Vor einem guten Jahr begegnete uns Heli Seitz mit ihren Dackeln. Sie ist in Ihrem Verein als engagierte Pflegestelle für kleine Hunde bekannt. In diesem Dackelrudel lief ein langhaariges „Etwas“ mit. „Das ist unser Opa!“ sagte Heli Seitz. „Er sucht ein neues Heim. Er ist etwa 9 – 10 Jahre alt. Seine Vorderläufe haben eine Fehlstellung. Seine Hinterläufe zittern unentwegt. Er scheint Schmerzen im Rücken zu haben, das ist aber sicher zu beheben, wenn er erst einmal zur Ruhe kommt und irgendwo zu Hause ist.“
Unsere Hündin Malika „begutachtete“ diesen Rüden und schien sicher, dass er ihr ihren erworbenen Platz bei uns nicht streitig machen würde. Also nahmen wir Willi bei uns auf.
In den folgenden Tagen erkannten wir, dass es sich um einen recht unglücklichen kleinen Hund handelte. Sein fröhliches Aussehen war nur ein erster Eindruck gewesen. Wir lernten nun auch sein trauriges Gesicht kennen und sind eigentlich froh, dass der Verein uns seine Lebensgeschichte nicht mitteilen konnte, weil sie nicht bekannt ist.
Unsere bislang so sportlichen Spaziergänge hatten danach einen neuen Rhythmus bekommen. Willi läuft beschwerlich und braucht viel Zeit, schnüffelt hier und dort und markiert überall. Malika braucht dagegen viel Bewegung. Wir wollten beiden Hunden gerecht werden. Das war nicht leicht, aber nach einigen Wochen haben wir Regeln gefunden, mit denen wir nun alle gut leben können. Willi ließ sich zu Beginn kaum anfassen, er hatte sofort Angst, geschlagen zu werden und warnte uns mit eindringlichem Knurren. Wir waren uns sicher, dass er Schlimmes erlebt haben musste.
Nun, fast ein Jahr nach seiner Ankunft bei uns, sucht er unsere Streicheleinheiten und lässt sich auch schon einige Minuten lang pflegen, bzw. bürsten. Aber unbedachte Gesten werden immer noch als Bedrohung aufgefasst.
Wir lieben Willi mit seinen Schwächen und Launen und möchten ihn nicht mehr missen. Auch Malika hat sich an ihn gewöhnt. Häufig möchte sie mit ihm spielen, hat aber wohl verstanden, dass seine Bewegungsabläufe ein schnelles Spiel nicht zulassen. Wir haben mit Willi einen behinderten, älteren Hund zu uns genommen, der viel Geduld, Zeit und Zuneigung braucht. Wir haben unsere Entscheidung nicht einen Moment lang bereut, weil wir älteren, vom Pech verfolgten Tieren einen schönen Lebensabend gönnen möchten.
Wir möchten Ihnen und dem Tier-, Natur- und Artenschutz Siebengebirge e.V. danken, weil Sie sich gerade auch um diese älteren Tiere kümmern und sie betreuen.
Mit besten Grüßen,
Ulrike Paulmann, Unkel