‘Tierfriedhof’

Tierfriedhof

Donnerstag, 15. Januar 2009

Wer sein Tier nicht im eigenen Garten bestatten kann und es auch nicht beim Tierarzt zur Entsorgung zurücklassen möchte, findet hier vielleicht eine gute Alternative.

Tierfriedhof in Königswinter-Oberpleis (Rhein-Sieg-Kreis)

Seit Oktober 2004 gibt es auch einen Tierfriedhof im Rhein-Sieg-Kreis, der verschiedene Bestattungsformen für Haustiere anbietet: Der „Boennschenhof“ in Königswinter-Oberpleis.

Vieler Unkenrufe zum Trotz scheinen die beiden Schwestern Ricarda Jankowski und Gisela Ziegert bei der Bevölkerung mit ihrem Tierfriedhof auf offene Ohren und Herzen zu stoßen. Der Friedhof für Haustiere – vornehmlich Hunde und Katzen, aber auch Kaninchen und andere kleine Nager und Vögel – ist der erste im Rhein-Sieg-Kreis. Seinen Platz fand er auf einer Wiese, direkt am Bönnschenhof gelegenen, der nicht mehr bewirtschaftet wird.friedhof005

Geboren wurde die Idee vom Tierfriedhof, nachdem eine Freundin nachfragte, ob sie ihren verstorbenen Vierbeiner nicht auf einer Wiese des Hofes beerdigen könnten. Nach einigen Recherchen haben die beiden Schwestern herausgefunden, dass es vielen Menschen ein echtes Bedürfnis ist, ihr Haustier in Ehren zu verabschieden und nicht beim Tierarzt für die Kadaververwertung zurückzulassen.

Ricarda Jankowski ist hauptsächlich für die Abwicklung der Formalitäten zuständig, während ihre Schwester als ausgebildete Friedhofsgärtnerin die Gestaltung des 7500 m² großen Areals übernommen hat. Die Arbeitsteilung hat sich bewährt, wie der überstandene Marathon durch Kreis- und Stadtverwaltung zeigt. Insgesamt fünf Jahre dauerte das langwierige Genehmigungsverfahren.friedhof0033

Die Nutzungsänderung der landwirtschaftlichen Wiese machte neben einem Bebauungsplan und einem landschaftspflegerischen Begleitplan ein bodengeologisches Gutachten erforderlich. Bei der Gestaltung des Friedhofs und der Zuwegung wurden den Geschwistern zahlreiche Auflagen gemacht. So musste die Zufahrt verbreitert und Parkmöglichkeit für acht Fahrzeuge geschaffen werden. Das Grundstück selbst war mit heimischen, mehrjährigen Gehölzen so zu bepflanzen, dass „ein waldähnlicher, naturnaher Charakter“ entsteht. Außerdem wurden ein Büro sowie Kühl- und Lagerräume benötigt, so dass man tief in die eigene Tasche greifen musste, bevor das erste Tier auf dem Bönnschenhof mit Blick auf den Ölberg begraben werden konnte. Dank der Hilfe aus der eigenen Familie hielten sich die Kosten im Rahmen, auch wenn so manche Stunde Freizeit geopfert wurde.

Service wird groß geschrieben

Die beiden Tierfriedhofsbetreiberinnen legen großen Wert auf ihre Mitgliedschaft im Bundesverband der Tierbestatter. Hier sind gewisse Standards für die Bestattung von Haustieren festgelegt.

Viele Kunden setzten sich bereits mit dem Tierfriedhof in Verbindung, wenn abzusehen ist, dass ein Haustier bald stirbt oder eingeschläfert werden muss. Man verabredet, wann und wo das Oberpleiser Tierbestattungsunternehmen das betreffende Tier im eigens dafür hergerichteten Transporter abholt oder von den Besitzern gebracht wird und spricht ab, wie die Beerdigung erfolgen soll. Die Besitzer der Haustiere sind oft sehr froh, hier offen über ihre Traurigkeit sprechen zu können und in ihrer Trauer um ihr Tier ernst genommen zu werden.

Das Büro neben dem Tierfriedhof haben die beiden Schwestern so eingerichtet, dass es die Kunden zum Verweilen und Erzählen in gedämpfter Atmosphäre einlädt. Hier werden die Formalitäten erledigt und geklärt, ob eine Erd- oder Feuerbestattung gewünscht wird. Feuerbestattungen führt das Krematorium in Badbergen bei Osnabrück durch, das die im Kühlraum lagernden Tiere in Oberpleis abholt. Je nach Wunsch des Besitzers erhalten sie bei einer Einzelkremierung die Asche zurück, oder sie wird im Falle einer Sammelkremierung im Rosengarten beim Krematorium ausgestreut.friedhof006

Wird hingegen die Erdbestattung bevorzugt, so hängen die Kosten für eine Beerdigung hier auf dem Tierfriedhof Bönnschenhof sehr davon ab, was der Kunde wünscht. Entscheidender Faktor ist die Grabgröße, die bei 40 x 50 cm beginnt und bis zum Bernhardinergrab mit 90 x 150 cm reicht. Der Tod ist nicht umsonst, aber mit einem kleinen anonymen Reihengrab und Kosten von 10 € jährlich durchaus bezahlbar. Teurer wird es, wenn ein Sarg oder eine Urne hinzukommen. Wer es persönlicher möchte, kann sein Haustier auch in der Kuscheldecke beerdigen lassen, die aber unbedingt aus verrottbaren Materialien sein muss. Die Beisetzung selbst kostet abhängig von der Tiergröße zwischen einmalig 35 und 55 €. Bei einer Liegezeit von fünf Jahren belaufen sich die jährlichen Kosten zwischen 10 € für ein kleines anonymes und 70 € für ein angelegtes Bernhardinergrab. Das Reihengrab kann dann je nach Wunsch selbst bepflanzt und gestaltet werden, ob mit Grabumrandung und/oder Gedenkstein, Hecke oder Holzbegrenzung ist jedem Tierbesitzer größten Teils selbst überlassen. Nur christliche Symbole und zu hohe Gedenksteine sind auf dem Tierfriedhof nicht gestattet

Bewusst wurde auch der Trend zur anonymen Bestattung aufgegriffen. Obwohl die Grabpflege und Gestaltung als weitere Serviceleistung angeboten wird, wollen einige Tierbesitzer keine Verpflichtung mit dem Grab eingehen und verstreuen entweder die Asche auf einer eigens dafür angelegten Rasenfläche oder wählen die anonyme Beerdigung. Viele Kunden wollen jedoch ein Grab, das sie besuchen und pflegen können. Die meisten besuchen das Grab ihres Tieres oft und sind froh, wenn sie auf dem Friedhof Kontakt zu anderen Menschen finden, die genauso fühlen und trauern wie sie. Die größte Bestätigung für ihren Friedhof am Fuße des Ölbergs erhielten die beiden Schwestern kürzlich von einem älteren Herrn, der seinen Hund dort beisetzen ließ. „Hier an diesem Fleckchen Erde möchte ich später auch beerdigt werden“, ließ er sie wissen.

Seit einiger Zeit ist der Tierfriedhof auch mit einer eigenen Homepage vertreten, die Sie abrufen können unter:

www.boennschenhof.de

Fragen richten Sie bitte direkt an:

tierfriedhof@boennschenhof.de

oder an Ricarda Jankowski Tel:. 02244 / 1877 oder mobil: 0171 / 8578981