Rettungsaktionen

Beschlagnahmt

Die Email des Tierheimleiters aus Trier klingt verzweifelt. 60 Australian Shepherds eines Züchters sind wegen nicht-artgerechter Haltung beschlagnahmt worden. Wohin nun mit all den Hunden? Klar, dass das Tierheim Trier diese gewaltige Aufgabe nicht allein stemmen kann. Unser Verein erklärt sich sofort bereit, vier der Australian Shepherds zu übernehmen. Aber: Was sind das für Hunde? Warum wurden sie dem Züchter weggenommen? ‚Nicht art-gerechte Haltung’ verheißt nichts Gutes. In welchem Zustand mögen die Hunde sein?

Hilfsangebote von allen Seiten
Ankunft in Trier: Tierheimleiter Andreas Lindig erzählt uns begeistert, dass neben uns noch elf weitere Tierschutzvereine ihre Hilfe zugesagt haben und die 60 Australian Shepherds somit alle vorläufig untergebracht sind. Auf dem Weg zu den Zwingern erfahren wir mehr: Der Züchter hatte ca. 100 Hunde, davon waren 20 im Haus untergebracht. Die anderen befanden sich teils in mehreren Freigeländen mit Hütten, teils in einer großen Halle mit vielen Zwingern. Lindig: “Ein Großteil der Tiere hat nie ein normales Hundeleben gehabt. Diese Tiere kennen nur ihre Artgenossen, keine Leine, keine Spaziergänge, kein normales Leben an der Seite des Menschen.“

Armer Modehund
Wir gehen mit Lindig zu den Zwingern, wo unsere Aussies auf ihre Abholung warten. Eine Hündin hätte eigentlich weiße Pfoten, doch diese sind gelb verfärbt. Bei näherer Untersuchung stellen wir fest, dass die Fußsohlen ganz wund sind – ständiger Kontakt mit Urin hat die Haut verätzt. Ein Rüde, der sich ans Gitter traut, hat regelrechte ‚Filzstangen’ an der Brust hängen. Hier hilft kein Kämmen mehr. Ein anderer Hund dreht mir sein kotverklebtes Hinterteil entgegen. Andreas Lindig: „Die meisten Hunde waren nicht gechippt, Impfunterlagen gab es nicht – dafür waren aber die meisten untergewichtig, nicht bemuskelt. Alle waren verdreckt und total verwurmt.“

Auf dem Weg in ein besseres Leben
Beklommen machen wir uns mit unseren Aussies auf den Heimweg. Wir wissen noch nicht, welchen seelischen Schaden die Hunde durch diese Haltung davongetragen haben. Ein hartes Stück Arbeit steht unseren privaten Pflegestellen bevor. Die Hunde müssen zunächst körperlich wieder aufgebaut werden und dann all das lernen, was ein junger Hund eigentlich bereits im Welpenalter lernen sollte.

Angebot und Nachfrage bei der Ware ‘Hund’
Die Nachfrage regelt bekanntlich das Angebot. Haben die Kunden des Züchters gesehen, wie die Hunde dort gehalten worden sind? Und kauften sie trotzdem ein solches Tier? Vielleicht sogar aus Mitleid? Ist der Wunsch nach einem Rassehund größer als der gesunde Menschenverstand, der einem sagen müßte, dass man so einen Züchter, der seine Hunde nicht artgerecht hält und sie lediglich als gewinnbringende Ware ansieht, in keinster Weise unterstützen darf? Im Gegenteil, dass man hier sogar zur Tat schreiten und die Behörden auf die Haltungsbedingungen aufmerksam machen müßte? Die Leidtragenden können sich nicht wehren – sie sind uns Menschen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.

Antje Firmenich

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(Fast) tödliche Schlägerei

„Sie müssen sofort kommen. Da sind zwei Schwäne, die prügeln auf einem dritten Schwan herum. Die töten ihn…“, schreit eine unbekannte Frau ins Telefon. Tina Wagner hat heute Dienst an unserer Tierschutz-Hotline. Solch einen Fall hat sie noch nie gehabt. Wie ist das Verhalten der Schwäne einzuschätzen? Muss man hier als Mensch eingreifen oder regeln die Tiere das untereinander? Vielleicht handelt es sich ja nur um ein Schwanenpaar, das sein erwachsenes Kind aus seinem Territorium vertreiben will und der Kleine sträubt sich hartnäckig, seine bisherige Heimat zu verlassen? Aber würden Schwaneneltern ihr eigenes Kind ‚krankenhausreif’ schlagen?

Expertenrat einholen
Tina Wagner telefoniert mit der Wildvogel-Auffangstation Kirchwald und mit einer weiteren Schwanenexpertin. Wahrscheinlich handelt es sich nicht um ein Schwanenkind, sondern um einen ‚Aussätzigen’, und hier tut Eile Not, denn es besteht für das Opfer tatsächlich Lebensgefahr. Als Tina Wagner am Einsatzort ankommt, sieht sie den Opfer-Schwan total entkräftet am Ufer liegen. Die beiden Angreifer-Schwäne werden von mutigen Spaziergängern auf Abstand gehalten, so dass die Tierschützerin sich das völlig aphatische Tier unter den Arm klemmen und ins Auto tragen kann.

Krankenhaus für Edgar
Unser Einsatzfahrzeug macht sich mit Edgar – so sein ‚Arbeitsname’ – in der mit Stroh gepolsterten Hundetransportbox auf den Weg zur Tierklinik in Mayen. Die dortigen Fach-Ärzte stellen fest, dass Edgars Flügel gebrochen ist und dass er insgesamt einen sehr geschwächten Eindruck macht. Hier erfahren wir, dass Schwäne tatsächlich Artgenossen, die ihnen zu schwach vorkommen, töten. Kranke Tiere locken Raubtiere an und stellen somit eine Gefahr für alle da. Edgar hat sich in wenigen Wochen gut erholt. Er wurde später mit zwei weiteren Schwänen gesund in die Freiheit entlassen.

Andrea Czapek

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Eudenbach im März 2010: Katzenelend im Baucontainer

Das Telefon klingelt und eine Anruferin teilt uns mit: “Ich haben Katzen in Garten, müssen weg! Mir vor Tür gestellt in Karton, nix meine! Wir haben Katzenallergie!” Man kann schon fast sagen, dass solche Anrufe trauriger Alltag sind. Im weiteren Gespräch erzählt die Anruferin, dass die Katzen ihr schon letztes Jahr im Oktober vor die Tür gestellt worden seien. Warum sie uns nicht vorher informiert hätte, wollen wir wissen. Hörbares Achselzucken am anderen Ende der Leitung. Laut ihrer Auskunft lassen sich die Tiere nicht anfassen, leben bei ihr im Garten und schlafen im Bau-Container. Dort werden sie auch gefüttert.

Das Grauen pur
Wir fahren los, um die Tiere einzufangen und kastrieren zu lassen. Als wir “bewaffnet” mit Katzenfallen und Netz in Eudenbach ankommen, erwartet uns der traurigste Anblick, der uns je geboten wurde: Die jungen Katzen sind Tag und Nacht in einem Bauwagen eingesperrt – und das seit fünf Monaten! Auf unsere Frage nach dem Warum, lautet die lapidare Antwort: “Sie haben auf die Terrasse der Nachbarn gepinkelt und wollten ständig ins Haus.” Wir sind sprachlos.

Ein Martyrium
Als wir die Container-Tür öffnen, schlägt uns furchtbarer Gestank entgegen. Tür wieder zu – erst einmal Luft schnappen! Jetzt wird uns auch klar, warum sich eins der Tiere so verzweifelt an das über der Tür befestigte kleine Gitter drückt. Der gesamte Container ist vollgestellt mit alten Rädern, Schrott und Müll. Nirgends ein Platz oder gar eine Decke, auf welche sich die Katzen hätten hinlegen können. Alles ist dick mit Katzenkot und Urin beschmutzt – hier wurde in den ganzen Monaten nicht einmal sauber gemacht. Der Gestank ist unerträglich. Zwar gibt es eine Schüssel Wasser im Container, doch das Trockenfutter wurde offensichtlich einfach in den Container geworfen. Fast fünf Monate mussten die Tiere hier im Halbdunklen vor sich hin vegetieren, denn durch das winzige, total verdreckte Fenster dringt kaum Licht in den Bauwagen.

Start in ein neues Leben
Wir stellen Katzenfallen auf und können die beiden Tiere schnell einfangen. Tim läuft der Eiter aus Augen und Nase. Auch Heidi ist krank. Der Tierarzt stellt fest, dass beide Katzen viel zu klein und dünn für ihr Alter sind. Doch noch schlimmer ist der seelische Schaden, den zumindest Heidi durch ihr Martyrium genommen hat. Während Tim relativ schnell Vertrauen fasst, hat Heidi noch lange panische Angst und schreit, wenn man sie berührt. Dies legt sich erst nach vielen Monaten. Für Tim & Heidi hat die Qual ein Ende. Aber von wieviel Tierleid werden wir nie erfahren?

Jessica & Ozan Stoll

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Ach, du armes (Meer-)Schwein

Die Holztür klemmt. Mit einem Ruck springt sie auf. Ein unbeschreiblich starker Geruch nach Amoniak schlägt den Tierschützern entgegen. Die Mitarbeiter des Tierheims Neuwied straucheln zurück, so heftig ist der Gestank. Mit angehaltenem Atem wagen sie sich in den Stall und trauen ihren Augen nicht: 157 Meerschweinchen sind in dem 4×4 Meter großen Raum zusammengepfercht.

Entsetzlicher Anblick
Sie springen übereinander, untereinander her und suchen Schutz – doch bis auf zwei alte, völlig mit Kot und Urin verdreckte Obstkisten haben sie keine Unterschlupf-möglichkeiten. Der Boden ist feucht von Urin und Kot – hier wurde schon lange nicht mehr ausgemistet oder gelüftet. Das winzige Fenster des Raumes ist geschlossen.

Elend pur
Der Tierarzt bestätigt den katastrophalen Eindruck: die Tiere sind in einem sehr schlechten Allgemeinzustand: verfloht, mangelernährt, krank. Viele Meerschweine haben Missbildungen an den Knochen, was auf starke Inzucht zurückzuführen ist.

Hilfe muss her
Was tun mit 157 Meerschweinchen? Die Kapazitäten des Tierheims Neuwied sind mit einer solchen Zahl von Tieren, die teilweise dringend ärztlich versorgt werden müssen, mehr als erschöpft. Der Tierheimleiter: “Gott sei Dank haben die Tierheime und Tierschutzvereine untereinander ein gutes Netzwerk. Wir bekommen Hilfe von mehreren Vereinen.”

15 Meerschweine ziehen ein
Unser Verein übernahm aus diesem Animal Hording-Fall fünfzehn Meerschweinchen. Mehrere Tiere waren trächtig und brachten in der Pflegestelle ihre Babys zur Welt. Es waren allerdings zahlreiche Totgeburten dabei, was deutlich auf die in der Vergangenheit betriebene Inzucht hinweist. Das Leben in unserer Pflegestelle war für die Tiere ein Schlaraffenland: endlich durften sie sich in großen, gesicherten Freigehegen mit vielen Häuschen und Unterschlupfmögllichkeiten von den Strapazen ihres Vorlebens erholen.

Susanne Lucht
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Eingesperrt und vergessen

Ein Anrufer meldete: “Vier Katzen sind in einem verlassenen Haus in Unkel eingesperrt und drohen zu verhungern.”

Suche im fremden Haus
Hier war sofortiges Handeln gefragt: Mit einem klammen Gefühl in der Magengegend schlossen unsere ehrenamtlichen Tierschützer, Osi und Jessica, am späten Abend die Tür des fremden Hauses auf. Alles war dunkel. Sie machten ihre Taschenlampen an und prallten beim Anblick des Chaos entsetzt zurück. Das ganze Haus war in einem grauenhaften Zustand. Überall Müll, Kot und Dreck – es stank so sehr, dass sie am liebsten gleich wieder den Rückzug angetreten hätten. Doch sie waren hier, um die drei verwahrlosten Katzen zu retten, die der Mieter des Hauses schon vor Wochen zurück gelassen hatte.

Völlig entkräftete Tiere
Und tatsächlich wurden die Tierschützer fündig: Die erste ausgemergelte Katze ließ sich widerstandslos packen und in den mitgebrachten Katzenkorb sperren. Sie schien zu ahnen, dass dies ihre Rettung war. Durch die ungewohnten Geräusche im Haus aufgeschreckt, flüchteten zwei abgemagerte Jungkatzen, die wahrscheinlich in diesem Unrat geboren waren, panikartig die Wände hinauf und wieder herunter. Zwei Minuten später brachen sie völlig entkräftet zusammen. Ozan hob die beiden halbtoten Jungkatzen auf und legte sie vorsichtig in einen zweiten Caddy. Ein völlig verstörter Kater ging erst in den Morgenstunden in die aufgestellte, mit frischem Futter bestückte Lebendfalle. Die Tierschützer waren entsetzt: „Hätte der Architekt, der das Haus wieder in Schuss bringen sollte, uns nicht angerufen, wären die Tiere in den nächsten zwei Tagen gestorben – verdurstet oder verhungert.“

Gisela Gebel

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Leidvolles Leben

Achim Sieber und Ilmaz Orakci machen sich gemeinsam auf den Weg zu einer Kontrollfahrt. Ein anonymer Anrufer hatte zuvor gemeldet: „Bei uns in der Nachbarschaft hält jemand seinen Hund auf der Terrasse. Es sind katastrophale Umstände. Sie müssen dort unbedingt mal nachschauen.“ Am Haus angekommen, klingeln sie und warten ab. Als ihnen keiner öffnet, gehen sie um das Grundstück herum und blicken von der benachbarten Wiese auf die Terrasse. Was sie hier entdecken, läßt ihnen den Atem stocken.

Elend pur
Vom Zaun aus beobachten sie einen weißen Schäferhund in erbärmlicher, gekrümmter Haltung. Die Terrasse, augenscheinlich Hauptaufenthaltsort des Hundes, ist übersät mit Hundekot und –urin. Der Blick des Tieres ist ängstlich, von unten nach oben…. Siebers und Orakci sprechen den Hund freundlich an. Er schaut zu ihnen und läßt sich mit Hunde-Würstchen anlocken. Die Vorderläufe des Tieres tragen kaum noch Fell, seine Wirbelsäule ist rund und seine Hinterbeine deformiert nach unten abgeknickt. Der ganze Hund stinkt bestialisch.

Schnelle Rettung
Tief betroffen vom Anblick dieser armen Kreatur zögert unser Einsatzteam keinen Augenblick und ruft die örtliche Polizeistation in Linz an. Sieber schildert der diensthabenden Polizistin die Situation. Gemeinsam entscheiden sie binnen weniger Minuten, das Tier sicherzustellen. Die beiden Tierschützer öffnen die Türe und der weiße Schäferhund folgt ihnen vertrauensvoll. Sie heben das sichtlich kranke, desolate Tier in den Bereitschaftswagen. Obwohl sie dies sanft und umsichtig tun, schnauft, winselt und fiept der Hund; er hat starke Schmerzen.

Rückgabe ausgeschlossen
Die Fahrt geht sofort zum nächsten Tierarzt. Auch dort ist man über den Zustand des Hundes entsetzt. Sein Allgemeinzustand wird als sehr kritisch eingestuft. Unsere Bereitschaftsfahrer bringen den Hund in eine unserer Pflegestellen. Hier darf er wohl seit langem wieder auf einer weichen Decke liegen und kuschelt sich sofort hinein. Er wird liebvoll umsorgt und gepflegt. Gegen Abend ruft die Besitzerin des Hundes an und fordert die sofortige Herausgabe des Tieres. Sie wird von Achim Sieber informiert, dass wir Balu, so der Name des Rüden, keinesfalls mehr an sie ausliefern werden. Im Gespräch erfährt Sieber, dass der Rüde von einem Tierschutzverein in Grafschaft an die Frau vermittelt wurde.

Erlösung von Leid
Am nächsten Tag übernimmt die sichtlich geschockte Vorsitzende des Grafschafter Tierschutzvereins den Hund. Auch sie stellt Balu dem vereinseigenen Tierarzt vor. Zwei Tage später erhalten wir Nachricht aus Grafschaft: Balu mußte eingeschläfert werden. Er war hochgradig zuckerkrank, litt unter schwerer Arthrose und seine Leber war stark angegeriffen. Röntgenaufnahmen zeigten außerdem, dass sich im Magen des Tieres eine Stopfnadel befand. Noch während der Narkose entschieden sich die Tierschützer deshalb gemeinsam mit dem Tierarzt, Balu nicht länger leiden zu lassen und schläferten ihn ein. Der liebenswerte, weiße Schäferhundrüde hätte sich in seinem Leben nicht mehr schmerzfrei bewegen können; starke Schmerzmedikamente hätten seine Leber noch mehr geschädigt. So traurig es auch klingen mag: Balus Tod war eine Erlösung.

Anmerkung des Vorstands:
Gegen die Besitzerin wurden mehrere Anzeigen wegen schlechter, tierquälerischer Haltung erstattet. Balus Nachbarn danken wir, dass sie den Tierschutz auf das Leid des Hundes aufmerksam gemacht haben.

Andrea Czapek

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Hagen – ein Pferd für den Metzger?

Hagen galt als gemeingefährlich. Angeblich hat er Frauen und Kinder verfolgt, Fohlen auf der Koppel gejagt und sich mehr als rüpelhaft benommen. Hagen ist ein Kaltblut. Der fünfjährige Wallach mit bester Abstammung büßte sein schlechtes Benehmen und landete beim Pferdemetzger. Dort wurde unser Verein auf ihn aufmerksam und kaufte ihn frei.

Ganz von vorne beginnen
Auf dem Hof einer Pferdekennerin im Westerwald wurde der stattliche Wallach dann ein paar Monate ausgebildet und entwickelte sich zum braven Reitpferd. Von Bösartigkeit überhaupt keine Spur. „Hagen hatte keine richtige Grundausbildung. Wir haben mit ihm ganz von vorne angefangen und er hat sich bestens entwickelt“, erläutert die Pflegestelle, „es wäre eine Schande, solch ein Tier auf den Schlachttransport nach Italien zu verladen, nur weil die vorherigen Besitzer nicht in der Lage waren, ihn richtig zu erziehen. Aber mit solchen Fällen mangelnder Kompetenz seitens der Halter haben wir leider immer wieder zu tun.“

Kleines Kind und großes Pferd
Der Vorbesitzer hatte Hagen als Fohlen für seine achtjährige Tochter gekauft, damit Pferd und Kind zusammen groß werden. Doch das Kaltblut wurde natürlich viel schneller erwachsen und das kleine Mädchen war schon bald mit dem mächtigen Tier völlig überfordert. Da stellt sich doch die Frage: Warum kauft man für ein achtjähriges Kind ein Kaltblut, das als ausgewachsenes Tier Hufe so groß wie Suppenteller hat? „Wir haben nicht gedacht, dass er so groß und ungehorsam wird“, lautete die Erklärung der Vorbesitzer… Mangelnde Sachkenntnis beim Pferdekauf, die das Pferd hinterher teuer (nämlich mit seinem Leben) bezahlen muss, wäre die richtigere Erklärung.

Ende gut … alles gut
Hagen hat sein Glück gefunden. Unser Verein vermittelte ihn an eine reitbegeisterte und pferdeerfahrene Familie. Er darf nun mit seinem neuen Besitzer durch die Wälder in der Nähe des Fernthals streifen und sein Leben in vollen Zügen genießen. Wir freuen uns sehr für ihn!

Annette Vossel

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Haflingerfohlen gerettet

Die beiden Haflingerfohlen Filou und Fee grasen in Seelenruhe auf ihrer Koppel. Als wir uns nähern, werden sie neugierig und kommen herangaloppiert. Es sind herrliche, gesunde, vor Kraft und Lebensfreude strotzende Tiere.

Endlose Odyssee
Man sieht ihnen nicht an, was für eine Odyssee sie in ihrem jungen Leben bereits hinter sich gebracht haben. In Bayern geboren, über endlose Stunden ins Rheinland transportiert, um monatelang im Stall eines Pferdemetzgers auf den sicheren Tod zu warten. Sie standen in ihren Boxen und wurden gemästet – jeden Tag sollten sie möglichst 500 Gramm mehr auf die Waage bringen. Ein Glück für die hübschen Braunen mit der blonden Mähne, dass die Nachfrage nach Pferdefleisch in Deutschland nicht so groß ist. Eigentlich sollten die Pferde zu Weihnachten als Festschmaus auf deutschen Tischen serviert werden, doch keiner wollte sie kaufen und essen – Gott sei Dank.

Fohlenfleisch – eine Delikatesse in Italien
Der Pferdemetzger entschloss sich, die Fohlen nach Italien zu exportieren. Hier gilt Fohlenfleisch nach wie vor als Delikatesse, und ein guter Preis ist ihm dort immer sicher. Die Sammeltransporte in den sonnigen Süden sind tierquälerisch und grauenvoll. Die Pferde werden in dem Wagen zusammengepfercht und geraten in Panik. Junge Tiere wie unsere Fohlen oder aber auch alte, kranke Tiere werden in dem Gedränge oft zu Tode getrampelt. Aus diesem Grunde gibt es an der italienischen Grenze sogar ein Krematorium – zur Entsorgung der auf dem Transport qualvoll verendeten Tiere.

Verein aktiv
Wir kauften die Pferdekinder frei und konnten sie in gute Hände vermitteln. Die Tiere haben ein neues Zuhause bei Pferdeliebhabern gefunden, die ihnen das bieten, was junge Pferde brauchen – Spielen und Toben auf der Weide mit gleichaltrigen Artgenossen. Eine schöne Zukunft liegt vor ihnen.

Eine Anmerkung in eigener Sache
Natürlich können wir als Verein nicht alle Pferde vor dem Schlachter bewahren. Uns ist auch bewusst, dass wir mit der Rettung dieser Fohlen keine Lösung des generellen Problems gefunden haben, aber wir konnten einfach nicht untätig zuschauen und die jungen Pferde auf diese grauenvolle Reise in den Süden schicken.

Annette Vossel

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‘Hier bin ich Schaf, hier darf ich sein’

Nicht immer konnten die dreißig Schafe einer Herde das von sich behaupten, denn ihre Zukunft erschien düster und ungewiss. Sie vegetierten auf einer bis auf die Grasnarbe abgefressenen Wiese vor sich hin, ernährten sich von trockenem Heu und ab und an von Brotresten, die über den Zaun geworfen wurden. Frisches Wasser gab es nur in unregelmäßigen Abständen – je nach Zeit und Laune des Besitzers.

Halbverhungerte Lämmer
Einige Tiere der Herde hatten kahl gescheuerte Hälse, weil sie verzweifelt versuchten, durch den Zaun die am Rande der Wiese wachsenden Pflanzen abzuweiden.
Die Lämmer waren sehr geschwächt, da ihre Mütter aufgrund der mangelhaften Ernährung keine Milch geben konnten. Krähen machten sich über die toten Körper zweier Schafe her, die aufgrund der schlechten Haltung verendet waren.

Starrsinniger Tierhalter
Die Zustände zogen sich über Wochen hin, denn trotz heftiger Proteste der Anwohner ließ sich der Halter nicht überzeugen, etwas an seiner Tierhaltung zu ändern. Im Gegenteil – er stieß massive Drohungen gegen die besorgten Anwohner aus und setzte sich weiterhin über die Auflagen des bereits involvierten Kreisveterinäramtes hinweg. Engagierte Tierschützer unseres Vereins ergriffen schließlich die Initiative, informierten die Polizei und erneut das Kreisveterinäramt und die Lawine kam ins Rollen. Die gesamte Herde wurde sofort beschlagnahmt.

Was tun mit 30 Schafen?
Plötzlich stand unser Verein mit 30 Schafen da. Aber wohin damit? Eine Wiese musste her, Elektrozaun, Futter, Wasser, Unterstand – alles, was 30 Schafe zum Leben brauchen. Keine leichte Aufgabe, doch schon kurze Zeit später rollten die Schafe einer saftigen, eingezäunten Wiese entgegen. Eine Polizei-Eskorte begleitete ihre Reise. Für die Tierschützer unseres Vereins war es eine Freude, mit anzusehen, wie die Tiere von Tag zu Tag kräftiger wurden. Die anfängliche Scheu vor den Betreuern wich einem fröhlichen Blöken, wenn sie sich der Weide näherten.

Alle gerettet

Gott sei Dank kamen alle Tiere über den Berg. Die Mutterschafe hatten wieder genug Milch für ihre Lämmer und diese hüpften bald fröhlich über die Wiese. Als die Tiere alle stark genug waren, übergaben wir sie einem zuverlässigen Schäfer, der sie in seine Herde integrierte und gut betreut.

Susanne Lucht

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Schwanensee mal anders

Wir wurden gerufen, um zwei Schwäne von einem privaten Teich zu entfernen. Die Anruferin drängte auf Eile, sonst werde sie andere Maßnahmen ergreifen. Wie üblich verschafften wir uns erst einmal einen Überblick. Wer Schwäne kennt, der weiß, dass diese Tiere nicht ganz ungefährlich sind. Sie können mit ihren Flügeln einen Oberarm brechen, und ihre Kopfstöße haben schon so manche schmerzhafte Gesichtsverletzung verursacht. Wie uns sofort klar wurde, waren die Schwäne das kleinere Problem. schwane-1500

Eigentümliche Teich-Besitzerin
Die größere Schwierigkeit lag bei der Grundstückseigentümerin, die uns auf Schritt und Tritt verfolgte, mit guten Ratschlägen traktierte und auf Eile drängte, da die Schwäne ihre Seerosen fressen würden. Wir versuchten, die Dame zu überzeugen, dass die Schwäne bei der Menge der vorhandenen Pflanzen keinen großen Schaden anrichten würden, statt dessen aber durchaus dekorativ auf dem Teich seien – vergeblich!

Treuer Schwanenmann
Wie wir erfuhren, hatte die Feuerwehr bereits einen Schwaneneinsatz hinter sich. Die Feuerwehrleute hatten den männlichen Schwan eingefangen und zur Rheinaue nach Bonn transportiert, um ihn dort freizulassen. Anscheinend war den Akteuren nicht bekannt, dass ein Schwanenpaar ein Leben lang zusammen bleibt. Der ausgesetzte Schwan machte sich sofort auf den Heimweg und war nach drei Tagen wieder am Teich – sehr zum Unmut der Teichbesitzerin.

Unerwünschtes Familienglück
Zu allem Überfluss begannen die Schwäne ein Nest zu bauen, um mit der Brut zu beginnen. Die Zeit drängte, wir mussten etwas unternehmen. Wir schritten zur Tat mit Plan Nr. 1: Einer unserer Tierschützer setzte sich in einen Kahn und versuchte, die Schwäne auf dem See in die Nähe eines Schuppens zu treiben. Der Tierarzt sollte den beiden Schwänen im Schuppen die Flugfedern beschneiden, um sie danach an anderer Stelle wieder freizulassen. Wir hofften, dass sie aufgrund ihrer temporären Flugunfähigkeit an dem neuen Ort heimisch werden würden. Der Helfer ruderte und ruderte, die Schwäne schwammen immer vorweg. Eine wunderschöne Szene…

Neuer Start ins Familienglück
Eines Morgens meldete die Teichbesitzerin, dass sich der weibliche Schwan im Schuppen befände. Wenig später war der männliche Schwan seinem Weibchen gefolgt! Der Tierarzt und sein Assistent rückten sogleich an, um beiden Schwänen die Federn zu beschneiden. Diese Aktion ging nicht ganz ohne Blutvergießen ab, denn einer der Schwäne verpasste dem Assistenten eine blutige Nase. Beide Tiere wurden in große Transportboxen gepackt und ab ging die Fahrt zu einem entfernten Teich, wo beide Vögel schon bald darauf in Ruhe ihre Schwanenfamilie gründeten.

Karl Kochinke

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